Unter Verwendung von flüssigem Stickstoff und pflanzlichen Texturgebern werden gewöhnliche Lebensmittel zu gesunden und leckeren Kunstobjekten.
Das Auge isst mit, so heißt es im Volksmund. Gerade im Bereich der Molekularen Küche herrscht häufig das Vorurteil, dass sie ausschließlich für den Augenschmaus sorgt. Doch falsch gedacht, denn nicht nur die Optik molekularer Gaumenfreuden ist bemerkenswert.
Zweifelsohne ist die Molekulare Küche auch sehr effektvoll, beispielsweise, wenn mit Hilfe von flüssigem Stickstoff ein völlig neuartiges Gericht zubereitet wird. Im Vordergrund des molekularen Kochens steht jedoch ein ganz anderer Aspekt, nämlich die Nutzung von biochemischen und physikalisch-chemischen Prozessen bei der Zubereitung von Speisen und Getränken. Es gilt, mit Hilfe molekularer Kochtechniken natürliche Aromen und Strukturen des Produktes beim Garen besser zu erhalten und Produkten eine neue äußere Form oder Konsistenz zu verleihen.
Eine der häufiger angewandten Methoden in der molekularen Küche ist das Kochen „sous-vide“ (franz. für „unter Vakuum“). Hierbei wird das vakuumierte Gargut über längere Zeit unter niedrigen Temperaturen in einem Wasserbad zubereitet. Dies sorgt dafür, das hinzu gegebene Gewürze und Marinaden besser in das Produkt einziehen, es nicht verwässert und schonend gegart wird. Ein Gerät, dass den Vorgang des Marinierens unter Vakuum vereinfacht, ist beispielsweise der „VIF Marinator“ von der Firma „mcc metropolis“.
Besonderer Beliebtheit in der Molekularen Küche erfreut sich auch die Herstellung von so genannten „Sphären“. Dabei handelt es sich um kleine Kügelchen, die optisch an Kaviar erinnern. Zur Entstehung wird zu Fruchtsaft, Obst- oder Gemüsepüree Alginat (z.B. Natriumalginat) gemischt. Die Masse wird in mit Calciumchlorid angereichertes Wasser gegeben. Die entstehenden Perlen haben eine feste Außenhaut, sind aber in der Mitte noch flüssig.
Molekularköche verwenden hin und wieder auch Emulgatoren wie Sojalecithin, Glycerin oder Gelificant-Vegetal en pols (pflanzliche Gelatine). Diese ermöglichen die Verbindung zweier Elemente, die sich normalerweise nicht verbinden lassen, z.B. Wasser und Öl.
Die molekulare Gastronomie, die heute auf der ganzen Welt verbreitet ist, nahm ihren Anfang in den 80er Jahren. Nicholas Kurti veröffentlichte zu dieser Zeit seinen Aufsatz „The physicist in the kitchen“ (Der Physiker in der Küche) und schaffte so erste Grundlagen zur Molekularen Küche. Der Begriff „Molekulargastronomie“ wurde um 1990 durch Hervé This geprägt. Der bekannteste Molekularkoch ist der Spanier Ferran Adrià. Neben ihm ist auch noch Heston Blumenthal, einer der anerkanntesten Köche auf diesem Gebiet.